Wagner(le) aus Berliner Müll

Neu formatiert und frisch inszeniert meldet sich Projekt „Wagnerle Theater“ zurück: Mit dem Start der Bayreuther Festspielsaison ab 25. Juli wird die Installation „Westwärts schweift der Blick; Ostwärts streicht das Schiff“ des Berliner Künstlerduos „Exit Through a Wormhole“ (ETAW) die Passanten am Fuße des Grünen Hügels überraschen. Thematisch zur diesjährigen Neuinszenierung von Wagners „Tristan und Isolde“ konzipiert, ist die Kunst-Installation bis Ende August in unserem Agentur-Vorgarten in der Bürgerreuther Straße 29 zu sehen.
 
Statt einer Theaterbühne im Kleinformat finden Festspielgäste und Wagnerle-Fans in diesem Jahr einen Müllhaufen im Agentur-Garten. Hier am Fuße des Festspielhügels zeigen die Berliner Künstler Steffen Kasperavicius und Jorge Lopes anlässlich der Premiere von „Tristan und Isolde“ eine nur auf den ersten Blick willkürliche Ansammlung von Sperrmüll. „Der Rezipient benötigt einen geschärften Blick, denn unter dem vermeintlichen Müll lassen sich erst die Exponate finden. Da nur der Blick des Rezipienten die Einzelteile zu einem Kunstwerk vereint, fordern wir zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Umfeld auf. Gleichzeitig bleiben die Elemente für sich jedoch immer auch Müll.“, erklärt Künstler Steffen Kasperavicius, der in Bayreuth aufgewachsen ist und mit ETAW bereits bei der Bayreuther Sübkültür und im Brandenburger Kulturstadl ausgestellt hat.

ETAW Team ETAW Team

Über die Künstlerformation ETAW (Exit Through A Wormhole)
In der Kooperation „ETAW“ (Exit Through A Wormhole) schaffen die beiden in Berlin lebenden Bildenden Künstler Steffen Kasperavicius und Jorge Lopes Neuanordnungen oder Kombinationen hölzerner, textiler, elektronischer oder metallener Straßen- und Müllfundstücke. Sie untersuchen das Wesen und den Wieder-Wert von Materialien, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden und unfunktional erscheinen.
 
Das Interesse der beiden Künstler gilt dabei nicht nur der Konstruktion, sondern auch der Dekonstruktion, dem Extrahieren von Zeichen, Oberflächen und Ästhetik, von Überresten und Abbauprozessen von Natur und Gesellschaft. Kasperavicius und Lopes sammeln in regelmäßigen Zyklen ihre Materialien auf der Straße. Gemeinsamer Austausch, Diskussionen und Materialerkundung führen die beiden schließlich zu möglichen Antworten: in Form von komponierten Bildobjekten, Skulpturen und Rauminstallationen. Dabei werden irritierende Grenzgänge zwischen angewandtem Design und bildender Kunst möglich.
 
Über das Wagnerle-Theater
Das Wagnerle-Theater ist ein Kunstprojekt, das seit 2005 zur Festspielzeit am Fuße des Grünen Hügels in Bayreuth seine Fans begeistert hat: In einem dem Festspielhaus nachempfundenen Puppentheater wurden parallel zu den „großen“ Festspielen kleine Opern-Inszenierungen in Kurzversion und mit Humor und Hintergründigkeit inszeniert. Ganz entsprechend seinem großen Vorbild, dem Bayreuther Festspielhaus, verhüllte sich das Wagnerle 2013 wegen Renovierungsbedarf mit Gerüst und Plane – und blieb seitdem leider geschlossen.
 
Wagnerle Reloaded
Wagnerle-Mitinitiator Dietmar Rieß erklärt, warum ein Neustart des Projektes notwendig war: „Ohne die weitere Mitwirkung des Goldkronacher Künstlers Volker Wunderlich, dem künstlerischen Leiter des Projektes, mussten wir das Wagnerle ganz neu denken. Mit ETAW haben wir jetzt Künstler gefunden, die in ihrem Werk schon mehrfach interdisziplinär gearbeitet haben und deren Installationen bereits mit Theater oder Musik interagiert haben. ‚Westwärts schweift der Blick; Ostwärts streicht das Schiff‘ braucht zwar keine Theater-Bühne mehr, jedoch steckt darin jede Menge Inszenierung“. Damit soll das Projekt Wagnerle in diesem Jahr wieder sein Ziel erreichen, internationalen und lokalen Besuchern am „Walk of Wagner“ ein besonderes Wagner-Erlebnis „im Vorbeigehen“ ermöglichen.

ETAW Workspace ETAW Workspace

Veranstaltungs-Informationen
Die Installation „Westwärts schweift der Blick; Ostwärts streicht das Schiff“ ist vom 25.7. bis 28.8.2015 kostenfrei und rund um die Uhr im Vorgarten von „die Agentur“ in der Bürgerreuther Straße 29 zu sehen. Weitere Infos und Bilder gibt es unter www.we-are-etaw.com und bei Facebook www.facebook.com/wagnerle.

Das Wagnerle Theater Das Wagnerle Theater

Ein Artikel von Yvonne Knarr